Seit Anfang des Jahres ist Isabell aus Schutterwald in London als Au-Pair tätig. Damit wir einen Eindruck von Ihrer Arbeit und Ihrem Leben in der englischen Großstadt bekommen, führte ich ein Interview mit Ihr. Dieses könnt Ihr nun hier in aller Ausführlichkeit lesen:

Seit knapp fünf Monaten bist du nun schon in London als Au-Pair. Was waren deine ersten Eindrücke von England und insbesondere London? Haben sich diese im Laufe der Zeit bewahrheitet oder waren es wirklich nur erste Eindrücke?

Eindrücke hatte ich viele: der wahnsinnige Verkehr, die vollen U-Bahnen, die riesigen Menschenmassen, fremde Leute, neue Umgebung, andere Sprache… In den ersten Wochen kam ich kaum zur Ruhe, weil einfach alles neu war und ich mich erstmal an mein neues Leben gewöhnen musste. Auch dachte ich, dass ich mich nie in dieser Großstadt London zu Recht finden werde.
Mit der Zeit wurde aber dann alles ganz normal und ich hatte mich schnell hier eingelebt. Und dann hab ich angefangen viel zu Fuß abzulaufen, um Orientierung zu bekommen (in der U-Bahn sieht man ja nichts). Und ich muss wirklich sagen, dass ich mich inzwischen an alles gewöhnt habe und mich auch in London gut auskenne. Es ist einfach alles zur Normalität geworden und es macht jetzt einfach nur noch Spaß, hier zu sein!

Damit wir einen Eindruck von dir bzw. deinem Leben bekommen, erzähl uns doch mal, wie dein täglicher Ablauf aussieht? Wo bist du, wer ist deine Gastfamilie, was sind deine Aufgaben?

Ich wohne in einem sehr schönen Wohnviertel im Nord-Osten von London.  Von unserm Haus aus ist alles super zu Fuß zu erreichen: Schule, U-Bahn, Supermarkt, Post etc. Deshalb muss ich hier glücklicherweise kein Auto fahren – gar nicht so einfach bei Linksverkehr!!
Ich passe auf ein 6-jähriges Mädchen auf, das ich morgens um 7.30Uhr wecke und ihr dann beim Anziehen (Schuluniform!!), Zähne putzen und Haare machen helfe. Während sie dann frühstückt, richte ich ihr einen „fruitsnack“ und Trinken. Um 8.30Uhr beginnt die Schule, wo ich sie hinbringe; um 15.30 Uhr hole ich sie wieder ab. In dieser Zeit hab ich dann frei und treffe mich dann meistens mit andern AuPairs oder ich schlafe noch mal ein bisschen. schlafe noch ein bisschen. Zwei mal die Woche gehe ich aufs College, wo ich einen zusätzlichen Sprachkurs mache. Wenn die Kleine wieder da ist, spiele ich ein bisschen mit ihr und helfe ihr bei den Hausaufgaben (was echt nicht wenig ist!). Am Abend koche ich uns was und um 20 Uhr bringe ich sie ins Bett – das bedeutet für mich wieder Freizeit.
So läuft das immer von Montag bis Freitag ab, während meine Gasteltern arbeiten.
Den Samstag und Sonntag hab ich immer komplett frei. Dann treffe ich mich mit andern AuPairs zum Sehenswürdigkeiten abklappern, shoppen, Kaffee trinken, Party machen oder einfach nur durch die Stadt spazieren und quatschen.

Also langweilig wird’s hier definitiv nie, ich bin fast non-stop unterwegs…

Großstadt mit jeder Menge Verkehr, oft Nebel oder Regen. Ein Big-Ben, der die Zeit regelt. So stellen sich viele Deutsche London vor. Entspricht dies auch der Realität oder ist London noch viel mehr?

Auf den Straßen und in den U-Bahnen ist natürlich immer viel los, aber das ist ja in jeder Großstadt so. Und ohne Regenschirm sollte man wirklich nie aus dem Haus gehen!! Aber London ist sicher mehr als nur „die verregnete Großstadt in der Menschenmasse“. Es gibt hier so viel zu sehen und wunderschöne Plätze und Gegenden.  Wenn man sich mal etwas auskennt, weiß man, wo man hingehen sollte – dann findet man immer den richtigen Ort um entweder in der Masse zu sein oder auch mal die Ruhe zu genießen.
Ich finde es macht sehr viel aus, ob man ein Tourist ist oder ob man wirklich ein paar Monate hier lebt. Und ich finde London einfach wunderschön und liebe es, hier zu sein.

Was sind deine Pläne für die restlichen Wochen bis zu deiner Rückkehr nach Deutschland?

Ich kann hier nicht genug sehen! Wenn ich darüber nachdenke, fallen mir noch tausende Sachen ein, die ich noch nicht gesehen hab. Und das, obwohl ich fast immer unterwegs bin – aber es gibt eben so viel! Ich muss einfach schauen, was sich in London noch ergibt, aber für den Sommer steht auf jeden Fall noch „London Eye“ auf dem Programm! Aber ich will auch nicht zu viel planen, das soll ja alles nicht stressig und „erzwungen“ sein, sondern einfach nur Spaß machen!!
Ansonsten möchte ich gerne noch nach Liverpool, Bath und Edinburgh, in Cambridge und Oxford war ich schon.  Es lohnt sich wirklich, auch andere Städte um London herum anzuschauen.
Und was ich bis Juli nicht schaffe, das werde ich eben die nächsten Male anschauen – ich komme ja sicher wieder nach England!!

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, würdest du dich wieder für London entscheiden oder doch lieber für ein ganz anderes Land?

Auf jeden Fall London! Ich bin hier in einer super schönen Stadt gelandet, wo es total viel zu sehen gibt – langweilig wird es nie! Obwohl ich weit weg von zu Hause bin, könnte ich theoretisch bei Notfällen jeder Zeit mal für ein Wochenende nach Hause, die Flugverbindungen sind ja super und auch nicht teuer. Das ist der Vorteil, wenn man in Europa bleibt. Also mit London habe ich wirklich meine Traumstadt gefunden!

Welchen Ratschlag würdest du potentiellen „Nachfolgern“ von dir mit auf den Weg geben?

Falls jemand von euch als AuPair arbeiten möchte, würde ich euch auf jeden Fall raten, eine Familie zu suchen, die ziemlich nah an einer Großstadt wohnt. Auf dem Land ist es nämlich 1. echt langweilig und 2. gibt es dort auch nicht so viele andere AuPairs.  Informiert euch auch genau, wie weit es in die Stadt ist, wie man hinkommt etc. Außerdem solltet ihr auch bitte nicht die erstbeste Familie nehmen. Lasst euch Zeit beim entscheiden und fragt so viel wie möglich. Die meisten AuPairs, die ich hier kennengelernt habe, haben nämlich schon ihre Familie gewechselt, weil sie einfach ganz anders waren als am Telefon / Internet / E-Mail…

Was vermisst du am meisten in England? Worauf freust du dich, wenn du wieder zu Hause bist?

Natürlich fehlen mir am allermeisten meine Familie und meine Freunde. Auch wenn ich hier schon total nette Menschen kennengelernt und wirklich schon Freundschaften geschlossen habe, sind meine Freunde zu Hause durch nichts und niemanden zu ersetzen – ich vermisse sie unglaublich!
Was mir auch fehlt ist das Brot… das gibt’s hier nämlich nicht! Brot ist hier so wie Toastbrot – ungetoastet. Man kann es einfach zusammendrücken und es schmeckt echt nicht so toll ;-) .
Wenn ich dann also im Juli nach Hause komme, werde ich erstmal auf dem Heimweg vom Flughafen ein Käsebrot essen, dann meine ganze Familie besuchen und am Abend mit meinen Freunden richtig Party machen und wenn ich in der Nacht oder am Morgen  heimkomme, mich einfach nur auf mein eigenes Bett freuen!!!